Gartentipp 2018 Nr. 9 (September) - Verwertung von nicht einwandfreiem Obst und Gemüse

Beeinträchtigungen am Erntegut können parasitäre und nichtparasitäre Ursachen haben. So nennt der Fachmann bestimmte Schadbilder.
Auf Deutsch!
Parasitär bedeutet, der Schaden wird durch Krankheiten oder Schädlinge verursacht.
Nichtparasitär bedeutet, dass Nährstoffmangel, Anbauschwierigkeiten, Witterung und noch einiges mehr die Ursache sein können.
Verdorbenes, faulendes Obst und Gemüse kommen in den Kompost, nicht auf den Kompost. Denn obenauf gelegt, können Insekten, Ratten und Mäuse angelockt werden. Außerdem können sich die Krankheitserreger von dieser Stelle ausbreiten. Pilzsporen werden vom Wind verweht. Daher sollte etwas Kompost oben abgeschaufelt und das Verdorbene grob eingemischt und wieder abgedeckt werden.
Leider sind pilzliche Erkrankungen nicht vermeidbar. Sie können vorkommen, egal ob mit klassischen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet wird oder Stärkungsmittel zum Einsatz kommen. Ich habe einige Möglichkeiten, aus meiner Erfahrung gesammelt, die eine gewisse Nutzung von nicht mehr einwandfreiem Erntegut zulassen.
Fäulen haben ihre Ursachen in mangelndem Pflanzenschutz, Sortenempfindlichkeiten, Witterung, Wasser-, Nährstoffmangel sowie diversen Schaderregern. Bekannt sind den meisten Hobbygärtnern Schäden an Obst und Gemüse durch Pilzkrankheiten (Krautfäule, Mehltau). In zweiter Linie können Insekten wie Wespen, Apfelwickler oder Raupen durch Fressen und Blattläuse durch Saugen Bedingungen für Erkrankungen schaffen. Alle zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Schadensbegrenzung sollten daher von vorne herein in Betracht kommen. Trotz aller Vorsorge haben wir immer mal Problemfrüchte. Was können Sie tun?


Fallobst - Hier lässt sich vielleicht noch etwas retten.

Bearbeiten Sie so früh wie möglich Befallenes. Das heißt, Schauen Sie schon mal vor der eigentlichen Ernte das eine oder andere Mal in der Woche nach. Liegt Obst schon auf dem Boden, sammeln Sie es gleich auf und prüfen es auf Brauchbarkeit. Kleine Druckstellen sind problemlos. Eventuell schneiden Sie die raus und verwerten den Rest; z. B. in Müsli, als Trockenfrüchte, Kuchen, Saft oder pur im Direktverzehr. Wer zeitig zur Stelle ist, hat keine großen Mengen an Fallobst zu verwerten. Wird es zu viel, ist irgendwann die Familie satt und es muss konserviert werden.
Unreifes Obst und Gemüse kann nachreifen.
Als Klassiker kennen wir Tomaten. Ein Raum mit Zimmertemperatur reicht. So bekommen wir zwar keine aromatischen Früchte, aber zu Suppengemüse, Ketchup usw. reicht es allemal. Mittlerweile sind auch unzählige Verwendungsmöglichkeiten für grüne Tomaten im Umlauf; von Chutneys bis gegrillte grüne Tomaten. Allerdings ist eine gewisse Vorsicht angesagt. Grund ist das Solanin in grünen Früchten. Erwachsene sollten den Verzehr von grünen Früchten gering halten. Für Kinder empfiehlt es sich, ihn ganz zu lassen. Wichtig ist für mich, sich sehr genau vor dem Verzehr zu informieren. Es gibt ja auch grünabreifende Sorten. Kleingärtner kennen die dunklen, schwarzen Flecken an der Tomatenfrucht; auf der Seite an der einmal die Blüte war. Daher auch der Name des Schadbildes: Blütenendfäule. Diese Beschädigung lässt eine Nutzung des gesunden Bereiches zu. Das Dunkle schneiden Sie weg und den Rest können Sie verwerten. Ich hab die Reste gleich als Tomatenbrot gegessen.
Tritt die Kraut- und Braunfäule im Bestand auf, was dieses Jahr dank der vielen Sonne und der hohen Temperaturen kein Problem war, muss schnell gehandelt werden. Zuerst gilt es alle ungeschädigten Früchte abzuernten. Ich hab auch die geerntet, die noch klein waren. Manche reifen doch noch nach, wegwerfen können wir immer noch. Es ist sinnvoll, die eingelagerten Tomaten regelmäßig durchzuschauen. So kann beim Auftreten von Fäulnis sofort die Beseitigung geschehen. Befallene Früchte sind nicht mehr brauchbar und daher ein Fall für die Biotonne; nicht auf den Kompost!


Krautfäule an Tomate. Hier ist nichts mehr zu retten.

An Möhren, viele nennen sie auch gelbe Rüben, kommt es manchmal zu den grünen Schultern.
Das ist ein Anbauproblem. Es entsteht, weil sich die Möhre aus der Erde drückt. Um sich vor der Sonneneinstrahlung zu schützen, verfärben sich die freiliegenden Bereiche grün. Sie haben einen bitteren Geschmack. Schneiden Sie dann einfach das Grüne ab und verarbeiten die Restmöhre wie sonst auch.
Äpfel oder Birnen mit ein paar Schorfflecken sind auch noch verwendbar. Natürlich sind sie unansehnlicher und im Geschmack schwächer. Aber geschält und sauber herausgeschnitten ist Saft, Direktverzehr, Kuchen und Kompott machbar. Ein vorheriger Geschmackstest ist hilfreich. Schmecken sie unangenehm, lassen sie die Finger davon. Ebenso können sogenannte glasige Äpfel noch genutzt werden. Die Glasigkeit ist eine Stoffwechselstörung beim Apfel. Um das Kerngehäuse ist das Fruchtfleisch wässrig, durchscheinend. Ursache ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels durch hohe Temperaturen und starke Sonneneinwirkung. Zusätzlich spielen starkes Triebwachstum, zu gut gemeinte Düngung oder starker Rückschnitt eine Rolle. Außerdem gibt es Sorten, die schneller zu Glasigkeit neigen.
Egal, die Früchte sind noch zu gebrauchen. Bei Quitten ist diese Erscheinung ebenfalls bekannt. Rechtzeitig entdeckt ist eine Verarbeitung zu Gelee oder Brei möglich.
An beiden Obstsorten können Stippe und Fleischbräune als weitere Störungen auftreten. Für sie gilt ebenfalls, dass Früchte nutzbar sind, solange sie nicht zu heftig beschädigt sind. Für eine Lagerung sind sie nicht brauchbar.
Im Herbst schaffen wir es manchmal nicht, alle Weintrauben rechtzeitig zu verzehren. Ich lese dann die etwas Unansehnlichen großzügig aus dem Traubenhängel raus. Meine Frau verarbeitet die Guten in Getränken, Cremes, Gelee und Obstsalat.
Blattläuse gelten bei vielen Kulturpflanzen als Überträger von Viruskrankheiten. Bei vielen Zwetschen und Pflaumen kommt der Scharkavirus vor. Optisch sind auf der Haut gelbliche, ringförmige Verfärbungen zu sehen. Das Fruchtfleisch verbräunt mit der Zeit. Befallene Früchte verlieren an Geschmack. Für Menschen ist dieser Virus ungefährlich. Eventuell können Sie leicht befallene bzw. optisch gesund aussehende Früchte - nach einem Geschmackstest - doch noch verarbeiten.


Gelbliche Ringflecken. Virus an Zwetsche.

Kürbisse, die nicht einwandfrei sind, halten nicht lange. Am besten verwerten Sie sie sofort.
Grundsätzliche Vorsicht ist bei bitteren Zucchini angeraten. Auch bei anderen Früchten, die untypisch, unnormal schmecken. Vor wenigen Jahren ging ein Bericht durch die Presse. Ein Mann hatte ein bitter schmeckendes Zucchinigericht verzehrt. Er ist an den darin enthaltenen Schadstoffen gestorben. Also: bei merkwürdigem Geschmack nicht verzehren sondern entsorgen!
Kohlpflanzen, die Fraßschäden durch Raupen zeigen können noch teilweise nutzbar sein.
Durch großzügiges Putzen kann ich noch einen Teil meiner Ernte retten. Gleiches gilt für verwachsene Möhren. Gut putzen und als geschnippeltes Gemüse einfrieren bzw. sofort verzehren.
Natürlich gibt es noch etliches mehr. Ich will Ihnen auch nur einen Anstoß geben, um nicht ganz astreines Erntegut einer vernünftigen Nutzung zuzuführen. Mir ging es immer so; erstmal geflucht wegen dem Mehraufwand und weil es gärtnerisch nicht funktioniert hat; am Ende aber dann doch gefreut, weil durch Hartnäckigkeit ein Teil gerettet wurde. Fast hätte ich es vergessen: mancher Gärtner nennt noch Kleinvieh sein Eigen. Die Hühner, Hasen usw. freuen sich über die Futterabwechslung.
Es ist nicht einfach, abzuwägen, was noch verzehrt werden kann und was nicht. Im Zweifelsfall werfen Sie es lieber. Ansonsten kann die Gesundheit aufs Spiel gesetzt werden. Sicherlich hat der/die Eine oder Andere schon Erfahrung gesammelt.
Im gärtnerischen Umfeld sind bestimmt noch Tipps zu holen.


Hans Willi Konrad, DLR R-N-H Bad Kreuznach
Alle Bilder Hans Willi Konrad









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