Gartentipp 2018 Nr. 8 (August) - Spinnmilben an Nutz- und Zierpflanzen

Im Gewächshaus, im Wintergarten, in heißen Sommern kommt dieser Schädling mehr zum Vorschein. Unter den Gärtnern fällt oft der landläufige Name Rote Spinne. Mit dieser Bezeichnung werden die Gemeine Bohnenspinnmilbe und die Obstbaumspinnmilbe zusammengefasst.
Die Bezeichnung Rote Spinne rührt von der Körperfarbe der Obstbaumspinnmilbe her, auch die Eier sind bei ihr rötlich gefärbt. Für den Kleingärtner ist es erst mal egal, wen er vor sich hat. Die Bekämpfung ist ähnlich. Allerdings muss klar sein, es handelt sich nicht um Insekten sondern um Spinnentiere.
Zu deren Bekämpfung gibt es spezielle Akarizide. So heißen Mittel die gegen Spinnentiere wirken. Auch im Ökoanbau gibt es diverse Mittel u. a. mit Rapsöl und Pyrethrum.
Natürliche Feinde sind Raubmilben, Raubwanzen, auch bestimmte Marienkäfer und die Florfliegenlarven. Das Schadbild beginnt als kleinste Aufhellungen an den Blattoberseiten. Die Viecher sitzen auf der Blattunterseite und saugen jede Pflanzenzelle einzeln aus. Daraus entsteht mit der Zeit eine silbrige Verfärbung. Je länger sie ungestört leben können, desto heftiger entwickelt sich der Schaden. Spätestens, wenn die Spinnweben wehen, kann der Gärtner kaum noch etwas retten. Kaputte Blätter und verkrüppelte Früchte werden nicht mehr gesund. Spinnmilben können durchaus heftige Schäden an Äpfeln, Zwetschen, Gurken, Bohnen, Auberginen, Paprika, Rosen, Oleander, Engelstrompete, Hibiskus, Zitrus, Fuchsien und Palmen verursachen.
Meistens handelt es sich um die Gemeine Bohnenspinnmilbe, die unser Gemüse und Zierpflanzen heimsucht. Seltener ist die Obstbaumspinnmilbe der Übeltäter, da diese wie der Name schon sagt, hauptsächlich unsere Obstgehölze schädigt.

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Erwachsene Spinnmilben auf Unterseite vom Apfelblatt

Spinnmilben sind grob um einen halben Millimeter groß. Mit bloßem Auge also schwer zu sehen. Trocken warmes, nahezu heißes Wetter ist fördernd. Daher sind Pflanzen im Gewächshaus, Wintergarten, auf sonnigen Terrassen und Balkonen häufig befallen. Eine Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln ist aufwendig, da auf eine gute Benetzung der Blattunterseiten geachtet werden muss. Die Pflanzen müssen praktisch rund um besprüht sein. Nur dort, wo Spritzbrühe hinkommt und den Schädling möglichst trifft, hilft sie auch. Außerdem muss die Bekämpfung mehrfach durchgeführt werden; nach meiner Erfahrung mindestens eine Anwendung pro Woche und dies dreimal wiederholen. Danach zweimal wöchentlich die weitere Entwicklung beobachten.
Genaueres steht in der Gebrauchsanleitung der geeigneten Pflanzenschutzmittel. Generell sind sie als Anwender verpflichtet die Gebrauchsanleitung durchzulesen. Es gibt Pflanzenschutzmittel, die nur einmal in der Vegetationszeit an der Kultur einsetzbar sind. Das liegt an der amtlichen Zulassung. So ist der Gärtner praktisch zum Einsatz verschiedener Präparate gezwungen. Das hat auch seinen Vorteil. Spinnmilben bauen schnell eine Resistenz gegen Pflanzenschutzmittel auf, die häufig genommen werden. Resistenz bedeutet, die Viecher überleben die Spritzung in großem Maß. Wichtig ist auch, auf Pflanzen im Umfeld zu achten, die evtl. als Befallsherd immer wieder neu infizieren.
Spinnmilben wandern aktiv zu und werden auch über Wind und befallene Pflanzen weiterverbreitet. Achtung: der Gärtner kann selbst als Überträger dienen, wenn er an einer der befallenen Pflanzen gearbeitet hat. Spinnmilben sind grundsätzlich schwer zu bekämpfen. Sie treten in großer Anzahl auf. Auf Grund ihrer versteckten Lebensweise (Blattunterseite) sind sie leicht zu übersehen und dann kommt der „richtige Spaß“.
Es sind mehrere Lebensphasen zur gleichen Zeit auf den Kulturpflanzen zu finden. Es gibt erwachsene Tiere, Jungtiere, sogenannte Larven und Eier. Daher muss mehrfach und intensiv vorgegangen werden. Am besten mit Pflanzenschutzmitteln die alle Stadien (Erwachsene, Larven und Eier) bekämpfen. Gerade biologische Präparate mit dem Wirkstoff Rapsöl eignen sich dafür gut. Aber aufpassen, ich meine damit nicht Ihr Rapsöl aus dem Haushalt. Gerne gibt es die Empfehlung aus Fernseh, Radio und diversen Zeitschriften sich selbst mit der Haushaltsware, Wasser und sonstigen Zutaten Eigenmischungen herzustellen. Dieses Gebräu wirkt manchmal besser, als der Anwender es will. Das heißt, es schädigt auch die Pflanzen. Denn Ihr Rapsöl,
mit dem der Salat angemacht wird, ist nicht auf Verträglichkeit an Obst-, Gemüse-oder Zierpflanzen getestet. Ich kann da nur sagen, Finger weg und zugelassene Mittel verwenden.
Was Eigenmischungen zur Schaderregerbekämpfung an unseren Kulturpflanzen betrifft: bis jetzt sind sie gesetzlich nicht zulässig

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Silbrige Verfärbung an Oleanderblatt, Saugschaden durch Spinnmilben

Auch gibt es Vorschläge, einen Spinnmilbenbefall mit Wasser zu bekämpfen. Hierbei soll durch Erhöhung der Luftfeuchtigkeit an der Pflanze der Schädling zurückgedrängt werden. Manchmal gibt es noch den Zusatztipp, die Pflanze nach der Wasserbehandlung in eine Plastiktüte oder Folie zu verpacken. Auf Grund meiner bisherigen Erfahrung ist der Erfolg eher bescheiden. Im Freiland kann durch eine nützlingsschonende Bewirtschaftung den natürlich vorkommenden Gegenspielern geholfen werden. Einige Punkte sind, sehr bewusster Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, artenreicher Pflanzenanbau, es sollte immer etwas am Blühen sein, damit Futter vorhanden ist. Mittlerweile gibt es unzählige Blühmischungen für den Außenbereich. Mit Nützlingsverstecken bzw. Überwinterungsmöglichkeiten können Sie das Angebot abrunden.
In Gewächshäusern, Wintergärten, sonstigen Innenräumen (Büros) kann der Einsatz von käuflichen Nützlingen Sinn machen. Allerdings müssen die Umweltbedingungen passen. Das sind Wärme, Luftfeuchte, Helligkeit. Auch müssen die Nützlinge rechtzeitig zum Einsatz kommen und mehrfach nachgelegt werden, was eine regelmäßige Kontrolle der Räumlichkeiten bzw. der Pflanzen verlangt. Mal ein paar Raubmilben aussetzen funktioniert nicht. Nützlingseinsatz bedeutet: sich vorher umfangreich zu informieren. Es klappt, wenn man gezielt dran bleibt.


Hans Willi Konrad, DLR R-N-H Bad Kreuznach





Jutta.Kling@DLR.RLP.DE      drucken