Heidelbeeren – die kleinen Blauen

Stand: 08/06/2013
Botanik

Die heimischen Heidelbeeren oder Blaubeeren sind Früchte des Zwergstrauches Vaccinium myrtillus aus der Familie der Heidekrautgewächse. Sie reifen je nach Standort ab Juni überwiegend auf sandigen oder halbmoorigen Böden in lichten Wäldern oder an Waldrändern heran. Unter den Wildfrüchten sind Heidelbeeren eines der beliebtesten Sammelobjekte von Waldbesuchern. Das erbsengroße Obst besitzt eine tief dunkelblaue Farbe, enthält zahlreiche Samen und einen ganz eigentypischen, süßsäuerlichen, aromatischen Geschmack.

Seit einigen Jahren werden Heidelbeeren in Deutschland auch in Plantagen kultiviert. Hauptanbaugebiet in Deutschland ist die Lüneburger Heide; daneben gibt es Heidelbeeranbauer in Brandenburg, Oldenburg sowie in Gebieten Süddeutschlands.
Als Kulturheidelbeere nutzt man in der Regel die seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Nordamerika gezüchteten Heidelbeeren (Vaccinium corymbosum). Diese Sorten sind nur entfernt mit der heimischen Waldheidelbeere verwandt. Es handelt sich um hochwüchsige Heidelbeerpflanzen mit größeren Früchten, die sogar in der Größe bis zu 2 cm erhältlich sind. Im Gegensatz zur heimischen Waldheidelbeere haben sie ein helleres, nicht färbendes Fruchtfleisch und weniger „Kernchen“. Sie schmecken süßer, sind aber weniger aromatisch. Kulturheidelbeeren sind ab Juli bis in den September im Handel.


Nährwert und Gesundheitswert

Heidelbeeren liefern einen bunten Mix aus Vitaminen, nennenswert ist insbesondere der Gehalt an Vitamin E.
Ähnlich wie bei anderen Beerenfrüchten ist auch der Eisengehalt von Heidelbeeren relativ hoch.

Tabelle: Energie und Nährstoffgehalt von Beerenfrüchten im Vergleich (Auszug)
(Angaben pro 100 g verzehrfertige Lebensmittel)
Heidelbeere
Kulturheidelbeere
Brombeere
Erdbeere
Energie
37 kcal
83 kcal
44 kcal
32 kcal
Kohlenhydrate
6,1 g
19,0 g
6,2 g
5,5 g
Ballaststoffe
4,9 g
5,0 g
3,2 g
1,6 g
Eisen
0,9 mg
1,0 mg
0,9 mg
1,0 mg
Vit. C
22 mg
14 mg
17 mg
62 mg
Vit. E
2,7 mg
*
0,7 mg
0,1 mg
* Es liegen keine Daten vor.

Quelle: Prof. Dr. I. Elmadfa u.a. (Hrsg.): Die große GU Nährwert-Kalorien-Tabelle Ausgabe 2012/13, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2011

Hervorzuheben sind bei der Waldheidelbeere insbesondere die sekundären Pflanzenstoffe, hier vor allem die Farb- und Gerbstoffe der Beerenfrucht.
Mit der heimischen Waldheidelbeere hat man früher Stoffe gefärbt. Dieser intensive Farbstoff Myrtillin gehört zur Gruppe der Flavonoide, die für ihr antioxidatives Potential bekannt sind.
Im Gegensatz zur Waldheidelbeere befindet sich der blaue Farbstoff bei der Kulturheidelbeere nur in der Fruchtschale und nicht im Fruchtfleisch.

Aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes gelten Heidelbeeren als probates Mittel gegen Durchfallerkrankungen. Als solches sind getrocknete Heidelbeeren, die man in Flüssigkeit einweicht, sogar in Apotheken erhältlich. Aufgrund der antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkung der Gerbstoffe findet Heidelbeertee auch Anwendung bei Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen.


Einkauf – Lagerung - Verwendung

Je nach Standort können Waldheidelbeeren ab Juni in freier Natur gesammelt werden. Sie sollten, wie alle Waldbeeren, aufgrund des Fuchsbandwurm-Risikos vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden und innerhalb weniger Tage verzehrt werden.
Kultursorten sind ab Juli bis in den September im Handel. Diese können im Kühlschrank bis zu drei Wochen gelagert werden.

Die aromatischen Früchte werden in erster Linie frisch verzehrt. Gerne werden sie auch als Zugabe zu Milchprodukten wie zum Beispiel Quark oder Joghurt oder zu süßen Mehlspeisen wie Pfannkuchen oder Waffeln verwendet. Beliebt sind sie auch als Kuchenbelag oder als Zutat in Muffinrezepten.

Wie alle Beeren lassen sie sich gut tiefgefrieren. Heidelbeeren werden auch gerne in Gläsern eingekocht oder zu Heidelbeerkonfitüre, -saft, -likör oder Heidelbeerwein weiter verarbeitet. Wie eingangs bei den medizinischen Zwecken erwähnt, lassen sie sich auch gut trocknen.


Fazit

Schon bei Hildegard von Bingen war die heimische Heidelbeere als Teil der natürlichen Gesundheitsapotheke aufgelistet und die blaue Beere war nicht nur als Farbtupfer auf dem Speiseplan geschätzt.
Zwar ist das Waldbeerensammeln seltener geworden, doch sind heute Kultursorten auf dem Markt und die Heidelbeere erfreut sich unter Kennern nach wie vor großer Beliebtheit.


Quellen und weitere Informationen
  • Lexikonredaktion des Verlags F.A. Brockhaus (Hrsg.): Der Brockhaus Ernährung, F.A. Brockhaus GmbH, Leipzig - Mannheim 2004
  • Michael Ditter, Ingeborg Pils.: Das Manuscriptum – Handbuch der Lebensmittel – Von der Erzeugung bis zum Genuss, Manuscriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG · Waltrop und Leipzig, 2007
  • Waldemar Ternes, Alfred Täufel, Liselotte Tunger, Martin Zobel (Hrsg.): Lebensmittellexikon, Behr's Verlag, Hamburg 2005
  • Bund deutscher Heidelbeeranbauer e.V. (Hrsg.): Die Heidelbeere, im Internet unter www.bund-deutscher-heidelbeeranbauer.de (Zugriff am 25.07.2013)
  • Lüneburger Heide GmbH (Hrsg.): Heidelbeeren aus der größten Heidelbeerregion Deutschlands, im Internet unter www.lueneburger-heide.de (Zugriff am 25.07.2013)





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