Pfirsiche und Aprikosen - Saisonfrüchte mit Klasse

Pfirsiche, Nektarinen und Aprikosen sind klassische Sommerfrüchte. Die frischen Köstlichkeiten finden immer mehr begeisterte Käufer. Sie gehören zum Steinobst - das sind Früchte, in deren Inneren ein den Samen umschließender Steinkern sitzt, der von dem Fruchtfleisch umgeben ist.
Die Bäume stellen hohe Ansprüche an Boden und Lage. Vor allem brauchen sie warme und nährstoffreiche Böden. In Rheinland-Pfalz gedeihen sie in Gegenden mit Weinklima.


P F I R S I C H G E N U S S

Herkunft und Anbau
Der Pfirsich stammt ursprünglich aus China. Als "Pfirsichgarten Europas" gilt Italien, wesentlicher Anbau erfolgt auch in Frankreich, Spanien und Griechenland. Von Juli bis September kann mit einer deutschen Ernte aufgewartet werden. Leider ist sie recht gering und wird meist lokal vermarktet.

Viele Sorten am Markt
Ein Großteil der Ware wird hart und grünreif geerntet, damit sie maschinell sortiert und gebürstet werden kann und den Transport übersteht. Solche Ware reift nicht völlig nach und erreicht auch nicht ihr volles Aroma. Das Fruchtfleisch bleibt gummiartig trocken.
Es gibt eine sehr große Zahl von Pfirsichsorten. Die Steinlöslichkeit liegt übrigens nicht an der Reife – sie kann sortenbedingt gut oder schlecht sein.

Nach der Beschaffenheit der Schale und der Löslichkeit des Steines vom Fruchtfleisch unterscheidet man:

1. Früchte mit samtartiger Behaarung:
  • Früchte mit leicht herauslösbarem Stein („freestone“), meist die weißfleischigen frühen Sorten
  • Früchte mit schlechter Steinlöslichkeit („clingstone“), die späteren, gelbfleischigen Sorten

2. Früchte mit glatter Haut
  • Nektarinen

Regionale Pfirsich-Spezialität: Weinbergspfirsich
Nicht nur in Plantagen und Streuobstwiesen, sondern vor allem in den Weinbergen sorgten bis in die 60er Jahre eine Vielzahl von Obstbäumen für eine Auflockerung des Landschaftsbildes. In den Steilhängen war das vor allem der „Rote Weinbergspfirsich“. Diese Sorte wurde erstmals im 16. Jahr-hundert erwähnt und hatte ihre Verbreitung in den klimatisch begünstigten Weinbaugebieten Deutschlands.
Es sind kleinwüchsige Bäume mit kleinen, harten und stark bepelzten Früchten, die sich durch ein rotes Fruchtfleisch auszeichnen.

An der Mosel und am Mittelrhein gibt es besondere Projekte des Landes Rheinland-Pfalz für den Weinbergspfirsich. Viertausend Weinbergspfirsichbäume sind mittlerweile gepflanzt. Das Land stellt die Bäume kostenlos zur Verfügung und zahlt sogar Prämien für ihre Pflege. Hintergrund ist, dass auf diese Weise die aufgegebenen Weinbergsterrassen als traditionelle Kulturlandschaft erhalten bleiben. Mittlerweile gibt es aus dem geernteten Obst auch die ersten Produkte wie Marmelade, Schnaps und Likör.

N ektarinen
Die Nektarine gilt als Spezialform des Pfirsichs. Über ihre Entstehung gibt es widersprüchliche Theorien. Nach einer Version handelt es sich um eine Mutante des Pfirsichs, nach einer anderen ist die Nektarine eine Kreuzung aus Pfirsich und Pflaume. Die Obstart hat ihren Siegeszug in den letzten Jahrzehnten durch verbesserte Züchtungen erlebt. Ihr stark zunehmender Anbau wird hauptsächlich in Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland, USA, Chile und Südafrika betrieben.
Von den Pfirsichen unterscheiden sich die Nektarinen durch die glatte, nicht flaumbedeckte Fruchthaut und festeres Fleisch. Dieses schmeckt bei manchen Sorten süß wie beim Pfirsich, bei anderen pikant säuerlich, mehr wie Pflaumen. Nektarinen besitzen eine gute Steinlöslichkeit.

Tipps für Einkauf, Lagerung, Zubereitung
Pfirsiche sind gegen Stoß und Druck sehr empfindlich, daher muss man sie vorsichtig transportieren.
Reife Pfirsiche können im Kühlschrank ein bis zwei Tage aufbewahrt werden, sollten aber zuvor auf Druckstellen kontrolliert werden, da die Frucht an dieser Stelle schnell verdirbt. Am besten ist der baldige Genuss, da Pfirsiche bei Kühlschranktemperaturen mehlig werden können.

Pfirsiche sind feines Tafelobst und hervorragend zum Rohverzehr geeignet - dazu waschen und nach Verwendungszweck zerkleinern. Bedeutend ist aber auch ihre Verwendung in Obstsalaten, Kompotten, Fruchteis und Kaltschalen. Unter den Dosenfrüchten nimmt die Pfirsichkonserve einen der ersten Plätze ein.

Zum Häuten werden Pfirsiche kurz in kochendes Wasser getaucht und wieder herausgehoben, anschließend lässt sich die Haut mit Hilfe eines Messers abheben.

Unser kulinarischer Tipp:
Pfirsiche sind ein köstlicher Bestandteil von Cocktails. Probieren Sie mal "Bellini"! Weiße Pfirsiche werden püriert und im Verhältnis 1:3 mit Perlwein aufgefüllt.


A P R I K O S E N

Herkunft und Anbau
Die Aprikose (Prunus armeniaca) heißt übersetzt "Pflaume aus Armenien" und stammt ursprünglich aus Zentralasien, vermutlich aus Nordchina. Von dort gelangte die Aprikose nach Persien und Armenien - daher auch der Name. Von den persischen Dichtern wurde die Aprikose als "Samen der Sonne" besungen. Alexander der Große brachte sie nach Südeuropa, doch erst im 16. Jahrhundert wurde die Aprikose auch bei uns kultiviert. Noch im späten Mittelalter hielt man die Aprikose für einen kleinen, früh reifenden Pfirsich.
Obwohl die Aprikose ausgezeichnet schmeckt, spielt sie zahlenmäßig im Erwerbsobstanbau keine sehr große Rolle. Die Frucht liebt sommertrockene, warme Regionen und ist sehr anfällig gegen Krankheiten. Der Aprikosenanbau ist stets durch das Klima bedroht: frühe Blüte und späte Frühjahrsfröste gefährden die Ernte.

Das einzige zusammenhängende Aprikosenanbaugebiet in Deutschland ist das „Mansfelder Land“ im Nordwesten von Halle. In dieser von Lößböden und Klima begünstigten Region konnte sich eine für Deutschland einmalige Rarität erhalten: Aprikosenbäume bilden hier und im Saaletal großartige Bestände.

Was bietet der Markt?
Leider werden auch die Aprikosen aufgrund der besseren Transportfähigkeit zu früh geerntet. Da die Früchte nicht mehr nachreifen, sind sie farblos und haben noch keinen Saft entwickelt. Nur wenn die Früchte genügend Sonne und Wärme erhalten haben und von einem ertragreichen Boden stammen, sind sie wohlschmeckend und aromatisch. Suchen Sie pralle Früchte mit intensiver Färbung und dem typischen herrlichen Aprikosenduft aus!

Beliebt sind die aus Aprikosen hergestellten Liköre (Marillenlikör, Apricot Brandy). Auch als Trockenobst sind sie verbreitet.

Tipps für Einkauf, Lagerung, Zubereitung
Aprikosen sind in erster Linie Frischobst, sind jedoch auch bestens für die Verarbeitung geeignet. Aprikosenkonfitüre gilt als eine der aromatischsten Konfitüren. Da die Früchte gut gelieren, benötigt man etwas weniger Zucker als für anderes Obst. In der Regel werden auf 500 g Früchte etwa 300 bis 375 g Zucker gerechnet. Es empfiehlt sich, die Früchte einen Tag vor dem Kochen einzuzuckern und erst am nächsten Tag unter ständigem Rühren bis zur gewünschten Festigkeit zu kochen.


Gesundheit im Pelz
Die große Beliebtheit von Pfirsichen, Nektarinen und Aprikosen beruht auf ihrer Fülle an Saft und Aromastoffen. Daneben spenden sie verschiedene Mineralstoffe und Vitamine.

Die Früchte enthalten je 100 g:
AprikosenPfirsicheNektarinen
Energie[kcal]434353
Fett[g]0,10,1*
Eiweiß[g]1,00,70,9
Kohlenhydrate
- verwertbare[g]8,59,412,4
- Ballaststoffe[g]1,51,92,0
Vitamin A[μg Ret.Äqu.]1361573
Kalium[mg]280194270
Quelle: Die Große GU-Nährwert-Kalorientabelle 2004/05, Grräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2003

Aprikosen sind sozusagen die Karotten des Obstgartens: kein Obst kann soviel Beta-Carotin (Provitamin A) liefern. Bereits eine Portion von vier bis fünf Aprikosen (150 g) deckt den Tagesbedarf einer Frau im Alter 25 – 51 Jahre zu 25 Prozent.
Durch seine antioxidative Wirkung nützen Carotinoide bei Erkrankungen, die durch freie Radikale hervorgerufen werden.

Erwähnenswert ist der hohe Gehalt an Kalium, das auf die Regulation unseres Wasserhaushalts Einfluss nimmt. Eine große Nektarine (ca. 200 g) liefert mehr als ein Viertel des täglichen Kaliumbedarfs.

Getrocknete Aprikosen sind mit 17,3 g/100 g besonders ballaststoffreich. Die Zugabe von sechs getrockneten Aprikosen (20 – 25 g) in Jogurt oder Müsli ist mit etwa 4 g Ballaststoffen ein wichtiger Beitrag zur darmgesunden Ernährung.

Die Steinobstsorten enthalten größere Mengen des sekundären Pflanzenstoffs Quercetin, der zu den Flavonoiden zählt. Flavonoide sind vor allem für ihre positiven Wirkungen fürs Herz bekannt. Sie vermindern die Gefahr von Blutgerinnseln und einer Schädigung der Blutgefäße durch LDL-Cholesterin.

Vorsicht ist geboten mit den Kernen der Aprikose. Sie sind im Aroma den Mandeln ähnlich und werden industriell für die Persipanherstellung (künstliches Marzipan) genutzt. Der Gehalt an Amygdalin (blausäurehaltig) macht sie jedoch giftig, daher darf man Kinder keinesfalls mit den Kernen spielen lassen.

Pfirsiche und Aprikosen sind idealer Bestandteil einer obst- und gemüsereichen Ernährung, so wie es die bundesweite Gesundheitskampagne „5 am Tag“ empfiehlt. Aufgrund der wertvollen Inhaltsstoffe kann mit 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag nachweislich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten gesenkt werden.
Natürlich ausgereiftes Obst enthält eine reiche Fülle an Aromastoffen, Farbstoffen und vielen anderen bioaktiven Stoffen. Ein Grund für frisches Obst aus der Region.


Download: Aprikosen.pdf
Aprikose - die kleine, feine Powerfrucht (Fit Tip Nr. 6, 515 KB)



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